Montag, Mai 26, 2008

Hugh Rampolo Masekela

Sonntag, Februar 17, 2008

Begegnung

Man kennt einen Menschen so ein Jahr vom Telefon. Ein paar Texte und Geschichten. Er ist vor allem beruflich wichtig, aber auch als Typ interessant. Man stellt sich den Menschen vor. Dann begenet man ihm und der "echte" Mensch ist erstmal ganz anders als erwartet.

Ein kleines dürres Bürschen mit hübschem Gesicht. Nur mit so einer komischen, streng nach vorn gekämmten Frisur, dass man ständig das Gefühl hat, man möchte ihm mal die Haare zerzausen, weil erst dann das Gesicht zur Geltung kommt und man nicht ständig auf die Frisur starren müsste. Kluge, freundliche, offene Augen, insgesamt nicht unsympathisch - nur hochgradig merkwürdig. Die Stimme scheint das einzige verbindende Element zu dem Bild, das man vorher hatte. Die Art, wie er sich bewegt, die Ansichten und der ganze Habitus sind anders als man ganz sicher zu wissen glaubte.

Der Eindruck ist noch gar nicht gesackt, man ist sich noch nicht sicher, ob man den Menschen jetzt mag oder nicht - da hat man drei Tage lang mit einem Kumpel von ihm zu tun, der konstant - und auf sehr nachvollziehbare Art - von ihm schwärmt, was er doch für ein Klassetyp sei. Jetzt glaube ich, ich bin Superman begegnet. Hoffen wir das mal. Dank seiner Offenheit hatte ich zumindest (fast) zum ersten mal das Gefühl, mich in den "richtigen" Kreisen zu bewegen. Und das tat gut.

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Mittwoch, Januar 23, 2008

Autogrammsammler mit Gregor Gisy

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Montag, Oktober 08, 2007

Lou, Laurie und Hund

Kollege Ralf Wessel war in New York. Und hat zielgerichtet die richtigen Leute getroffen. Beim Celebrate Brooklyn Festival im Juli. Erinnert mich an einen der wenigen Katz & Gold Comics, die mal meinen Humor getroffen haben. 1. Bild: Junge Band tritt auf, in Minsk. Im Publikum: Geheimdienst. 2. Bild: Junge Band tritt auf, in Hamburg. Im Publikum: Eltern. 3. Bild: Junge Band tritt auf, in New York. Im Publikum: David Bowie, Lou Reed, Laurie Anderson und noch irgendwer, den / die ich vergessen hab.

Fotos: Ralf Wessel


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Sonntag, September 02, 2007

Stranger Even Stranger

A man's got to do what a man's got to do. Ich dachte gerade: Was macht eigentlich John Lurie. Und erfuhr: Er fischt. Gibt auf DVD zu kaufen. Und ist auch schon wieder 15 Jahre her. Aber die Wikipedia weiß wie so oft mehr. Und anscheinend ist er nach einer Borreliose-Infektion Anfang der 90er auch gesundheitlich überhaupt nicht mehr fit...traurig. Hier ein recht aktuelles Interview.

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Immer antizyklisch handeln...

Ein paar Freunde von mir - alle mit erlesenem Musikgeschmack - haben gestern einen neuen Plattenladen eröffnet. Neu und Second-Hand: Indie, Soul, Funk, Dub, Sixties - was das Ohr begehrt, vom Feinsten...

Man wünscht viel Glück und Kundschaft mit ebensolchem Geschmack zuhauf! Hinfahren mit der Linie 10 Richtung Ahlem, Am Küchengarten aussteigen, an den "Waschweibern" vorbei die Fössestraße ein paar Schritte hoch (Richtung stadtauswärts)an der Hausecke:

MINT MUSIC
Fössestraße 6
30451 Hannover
0511-2602518
info@mintmusic.de.






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Mittwoch, August 15, 2007

Starspotting

So oft und lang in London gewesen und nie einem Star ueber den Weg gelaufen, schon gar keinem, der mich interessiert. Und eben laufe ich so im Tran bei Green Park herum, bin uebermuedet und genervt, weil ich schweres Gepaeck dabei hab. Da sinniere ich ueber einen aelteren Herren, der mir entgegen kommt und aussieht wie eine Spitting-Image-Version von Prince Charles (der ja auch schon aussieht wie eine Spitting-Image-Version von sich selbst). Ich grinse so debil vor mich her, da grinst mich der Typ hinter ihm zurueck an. Mitte Fuenfzig, recht gross und schlank gewachsen, schuetteres, kurzes dunkelblond-graues Haar, langer dunkler Sommermantel, aus den MP3-Player-Ohrstoepseln klingt Musik... Ich dachte in dem Moment, das ist Brian Eno, drehte mich noch nach ihm um und waere dem Typ fast noch hinterhergelaufen, so sicher war ich.

Dann setzte leider mein Verstand ein: Das bildest du dir jetzt ein - gerade noch mit dem lustigen Prince-Charles-Verschnitt direkt vor ihm -, du weisst ja gar nicht mal so genau wie der aussieht. Aber ich habe eben nochmal im Netz geschaut und bin mir zumindest 99% sicher, dass ich ein Esel war, nicht auf meinen Instinkt vertraut zu haben. Zumal mich Eno zwar interessiert, aber ich nicht obsessiv von ihm besessen bin, so dass ich ihn schon ueberall rumspazieren sehe.

Da haette ich ihn doch glatt mal zu Glamrock fragen koennen...und wenn ich mich zum Horst gemacht haette, waers auch sowas von egal gewesen.

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Mittwoch, August 08, 2007

Gewalt II

Ebenfalls gestern erzählte mir eine junge Bekannte (19) auch eine unglaubliche, und unglaublich traurige Geschichte. Das sie mit ihrer Schwester (17) gemeinsam in ihre erste eigene Wohnung zieht fand ich ja noch toll. Nur als sie von den Umständen berichtete war ich fassungslos.

Ihre Mutter lebt seit 14 Jahren von ihrem Vater getrennt und hatte wohl seitdem auch keine ernsthafte Beziehung. Hat den Vater auch gut von den Kindern ferngehalten und so richtig gekümmert hat er sich wohl auch nicht, weil er eine neue Familie hatte. Das Mädchen ist mir schon dadurch aufgefallen, dass sie sehr nach Kontakt und Anerkennung sucht, aber eigentlich hat sie auf die Mutter nichts kommen lassen. Nur seit diese jetzt mit einem neuen Mann zusammen ist, ist sie anscheinend völlig durchgeschallert. Der Typ muss der letzte Asi wie im Bilderbuch sein: Alki, arbeitet nicht, hat seine Ex geschlagen und wahrscheinlich auch keine Ambitionen, das in der neuen Beziehung zu lassen. Und auf die Kinder hat er keinen Bock - bedroht sie körperlich, spuckt sie an, erniedrigt sie verbal. Und verlangt, dass sie aus dem Haus ausziehen.

Spätestens da muss in jeder Mutter (repektive Vater) doch der Beschützerinstinkt erwachen. Aber Mutti säuft lieber mit dem Alten die Nacht durch in der Küche, zwischendurch wird eine Nummer geschoben - während Schulfreundinnen der Töchter da sind. Werden die Kinder bedroht, steht Mutti daneben und lacht. Und verlangt von ihnen ebenfalls dass sie ausziehen und läßt sogar das Schloss auswechseln. Trifft ihre Töchter zufällig woanders und grüßt sie nicht mal.

Glück im Unglück ist wohl, dass sich der Rest der Familie um die Beiden kümmert und sogar der Vater wieder auf den Plan getreten ist. Aber wie kann man so völlig abdrehen? Das kann nicht allein sexuelle Frustration sein. Da muss wohl der Psychiater her. Da die Mutter den Weg nicht gehen wird, werden es die Kinder unfreiwillig früher oder später tun müssen.

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Montag, Juli 16, 2007

"Drugs don't kill you, foolishness does"



Leider ist das Video weg. War Klasse: Johnny Rotten läuft wie ein aufgescheuchter Vogel durch einen Zeitungsladen und philosphiert, ohne den Interviewer weiter zu beachten, über das Leben. Der beste Satz war obiger.

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Sonntag, Juli 15, 2007

Das Wort zum Sonntag

Gore Vidal, großer Mann. Hat das Glück, in den Kreisen der Macht geboren zu sein bestens und mutig genutzt. Don't crumble.



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Montag, Juni 25, 2007

Alter bin ich cool

Eitle Künnstler/innen sind ein Fall für sich. Noch schlimmer sind nur die, die gern Künstler/in gewesen wären, es aber nicht geschafft haben und sich irgendwelche Machtpöstchen im periphären Umfeld geschaffen haben, von denen aus sie andere terrorisieren können, um ihr gekränktes Selbstwertgefühl zu salben. Da dachte ich jetzt gerade an einen bestimmten Musikzeitungschefredakteur.

Aber manchmal wissen Diven der ersteren Sorte einen auch zu schätzen, und nicht nur, weil man sie bauchpinselt. Ich habe am Wochenende ein mehr oder weniger spontanes Interview mit einem sehr berühmten deutschen Theaterregisseur gemacht. Wenn ich drüber nachgedacht hätte, hätte ich das eigentlich gar nicht machen dürfen: Ich wußte nur ein paar Eckpunkte über ihn , hatte den - gut geschrieben - Waschzettel zum Stück gelesen und die Generalprobe gesehen. Nichts weiter vorbereitet. Aber ein sehr netter Mensch, der ihn kannte und was von mir hält war so nett, mich vorzustellen. Da habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen.

Ich habe glücklicherweise Interviewroutine und habe so gefragt, dass ich mich in thematisch sicheren Terrain bewegte. Aber trotzdem stand ich zweimal bis zum Hals im Fettnapf und der hat garantiert gemerkt, dass ich seine Arbeit nur flüchtig kenne. Und ich habe auch zwei seiner Aussagen in Frage gestellt. Er wirkte aber nach dem Interview ganz freundlich und ausgeglichen und - ich wollte es erst nicht glauben, kann aber doch sein - mir wurde kolportiert, er hätte mich meinem Bekannten gegenüber als "intelligente junge Frau" bezeichnet. Na denn, endlich merkts mal jemand... sollte es öfter geben, das beflügelt ;). Aber vielleicht hat er das auch nur gesagt, weil ich intelligent genug war, ihn unter den gegebenen Voraussetzungen größtenteils einfach reden zu lassen...

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Mittwoch, Juni 13, 2007

Pudelclub Hamburg

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Barbara-Paparazza


Wenn man keinen Termin kriegt macht man sich auch mal zum Vollklops und lauert den Künstler/innen auf. Muss sich dann nur nicht wundern, wenn sie reichlich bedient schauen.

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Freitag, Juni 01, 2007

It's Gonna Be a Bright, Sunshiny Day

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Samstag, Mai 26, 2007

Maximo Park in Hannover

Before the show.


Mehr Fotos hier. Leider durften wir nur drei Songs lang fotografieren - und dann gar nicht mehr. Deshalb kein Bild vom Enthusiasmus der Fans, die reihenweise rausgezogen worden sind, weil sie für den Geschmack der Security zu viel Spaß hatten. Und einige sind auch ohnmächtig geworden bei der Hitze und der Aufregung.

Ich hatte Maximo Park ja vor zwei Jahren schonmal live im hippen Berliner Postbahnhof gesehen. Da wollte ich gar nicht unbedingt hin, weil ich dachte ich bin 10 Jahre zu alt für die nächste Britpopband. Ich bin aber mitgegangen, und war von ihrem Auftritt sehr angetan. Sie wirkten erfrischend, und als ob sie sich wirklich über ihren Erfolg wie die kleinen Kinder freuen. Damals sagte Sänger Smith auf der Bühne, er müsse aufpassen, dass er nicht abhebt. Dass das auch damals schon ein wenig Masche war zeigte sich, als ich las, dass er das gleiche beim nächsten Auftritt in Hamburg gesagt haben soll.

Diesmal wirkten sie etwas müder und routinierter - aber sie sind immer noch einer der besten Liveacts, die man im Moment sehen kann. So viel Engergie wie Paul Smith haben wenige Frontleute. Dazu hat er noch Talent, was im Kopf, sieht umwerfend aus und wirkt dabei treuherzig - das was man auf Englisch als teenage heartthrob bezeichnen würde. Und die anderen Bandmitglieder stehen ihm in puncto Grips, nett erscheinen und Aussehen kaum nach. Auch für Leute über 25 noch unterhaltsam und charmant, wenn man über ein kreischendes Teenagerpublikum erhaben ist.

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Freitag, Mai 25, 2007

Gut gegen Böse im Morgenmantel

Habe gestern anläßlich des 30. Jahrestags des Erscheinens des ersten Star-Wars-Films heute alle drei Teile von 77 bis 83 nacheinander geschaut. Den ersten muß ich schon vor Jahrzehnten mal im Fernsehen gesehen haben, war aber unbeeindruckt. Auch jetzt konnte ich nicht so richtig verstehen, wieso ausgerechnet diese Filme so eine große kulturelle Wirkung hatten. Die Special Effects waren sicher beeindruckend für diese Zeit, aber die Story ist sowas von billig und gradlinig...nun ja.

Aber in dem Zusammenhang fiel mir eine Geschichte ein, die mir Michaela Melián mal erzählt hatte: Daß nämlich der Schauspieler Sebastian Shaw, der in dem Darth-Vader-Kostüm steckt, als der im dritten Teil den Helm abnimmt, der damalige Lebensgefährte von John Peels Mutter war, eigentlich ein Shakespeare-Schauspieler. Melián hatte Mitte der 80er einige Zeit bei denen gewohnt, weil sie kein Geld für eine eigene Wohnung hatte. Peel stand ja auf FSK, möglicherweise auch auf Michaela. Jedenfalls hat er sie wie viele andere Bands und Musiker/innen mal kurzerhand in sein Zimmer bei Mutti in Notting Hill einquartiert. Wenn er in London war hat er dann wohl für die Zeit auf der Couch geschlafen, weil er eh nie zu Hause war.

Das schien nach Michaelas Beschreibungen ein recht exzentrischer Haushalt gewesen sein: Peels Bruder, der da auch wohnte, tröstete sich wohl mit Pina-Bausch-Videos über eine Trennung hinweg. Peels Mutter und besagter Lebensgefährte kamen erst am frühen Nachmittag aus den Federn und spazierten die ganze Zeit in Morgenmänteln durch die Wohnung - er in Gold. Dann gabs auch das eine oder andere Schnäpsken - also Sekt und Sherry. Dann gings natürlich bis in die Nacht.

Irgendwie mußte ich an diesen goldenen Morgenmantel denken, als dann Sohn Skywalker seinen Alten da im Glitzerlicht und Mäntelchen, tot, aber geläutert, in der Abendsonne stehen sah.

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Mittwoch, Mai 16, 2007

Festival Theaterformen

Ein Hinweis auf ein sehr schönes und besonderes Festival. Das wäre mir vielleicht auch gar nicht so ins Auge gefallen, wenn nicht eine Bekannte von mir da in der Presseabteilung arbeiten würde.

Aber in diesem Jahr gelang einem neuen Team unter der Leitung von Stefan Schmidtke (unten) die Wiederbelebung des Festivals Theaterformen. Mit einen furiosen Programm und viel Engagement. Unbedingt anschauen!

Da habe ich mich sogar breitschlagen lassen, für Mindestlohn Flyer zu verteilen: "Festival Theaterformen, im Juni in Hannover. 14 Produktionen aus aller Welt. Alles Deutschlandpremieren, viele Europapremieren und sogar Uraufführungen! Eines der drei größten Theaterestivals Deutschlands!" Sogar HipHop gibts, sage ich immer den Kids, wenn die beim Stichwort Theater eine Fresse ziehen. Allerdings gibt es auch Kids, die beim Stichwort HipHop eine Fresse ziehen, musste ich feststellen.

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Samstag, April 14, 2007

Lokalmusik

Gestern mit Olli auf dem alten Conti-Gelände gewesen, um ihn für seine neue CD als 60s-Barden zu inszenieren. Wir haben ein bisschen Schiss gekriegt, als wir da auf dem verlassenen Fabrikgelände, wo nur noch die völlig ausgeweideten Gerippe der alten Werkshallen stehen, Schüsse hörten. Ich habe getan, als ob ich mutig wäre und gesagt, die werden schon nicht auf uns schießen und sollte recht behalten.




Danach noch auf einem Hoffest von Bekannten gelandet, wo es sehr schöne alt.countryeske Campfiremusik gab.




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Mittwoch, März 28, 2007

Eigenartige Hobbys I

Am Wochenende erzählte mir ein Typ, dass er gerade damit beschäftigt sei, die Artikel aus seiner PM-Magazin-Sammlung in den Computer einzutippen. Ohne mit der Wimper zu zucken und völlig ernst gemeint.

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Donnerstag, Februar 08, 2007

A Sort of Homecoming


Am Montag Abend sitze ich in diesem abgerockten Internetcafé. Ich war Stunden über den Brixon Market geschlendert (mehr Fotos vom Brixton Market hier und hier - letzteres nichts für Vegetarier, ohne Quatsch..).


In meinem Lieblingsbuchladen (siehe unten) hatte ich Max Decharnés Kulturgeschichte der King's Road und des hippen Londons der 50er, 60er und 70er erstanden.

In dem winzigen Internetcafé bin ich die einzige weiße Person. Der Besitzer ist ein riesiger älterer Afrikaner mit Afro. Neben mir sitzt ein vielleicht 15jähriger Bursche, milchkaffefarben, ebenfalls mit Afro. The return of the 60s. Sie beäugen mich leicht amüsiert und scheinen sich zu fragen, was ich da will. Die Computer sind so langsam, dass ich bei blogger.com gar nicht erst reinkomme, geschweige denn etwas schreiben kann.

Übernächtigte Erinnerungen an einen Flug, ein älterer britischer Gentleman mit weißen Haaren, der aus den 50er Jahren übrig geblieben zu scheint. Im Anzug, ohne Winterjacke. Als einziges Gepäckstück hat er einen arg mitgenommen aussehenden Gitarrenkoffer. Den will er nicht aus der Hand geben, als die Flughafenbeamten ihn mißtrauisch betrachten. Da wäre eine richtig teure Gitarre drin, die er seit 27 Jahren spielen würde und um nichts in der Welt ins Frachtgepäck geben würde.

In Stanstead am Ausgang dann viele Menschen mit handgemalten Schildern für Leute, die sie finden wollen. Ein älterer, ärmlich gekleideter, osteuropäisch aussehender Mann mit einem Schild mit der Aufschrift: E.T.A. Ein fideler National-Express-Busfahrer mit einem starken, unidentifizierbaren Akzent bringt uns nach London. Er erzählt einem Mitreisenden, dass er lange in Monaco gelebt hätte und da wohl noch Familie hat. Ich kann das Gespräch akustisch nur halb verstehen. Französisch war sein Akzent jedenfalls nicht, eher polnisch oder so.


In Victoria Station gehe ich rituell erstmal zum Zeitungskiosk und kaufe mir ein Time Out. Dann ein Dayticket für den Bus. Rufe Sue an, dass ich bald da bin. In der Stockwell Road erzählt mir mein Handy, dass die Karte ausgelaufen ist. Egal. Ich laufe den alten Weg an der Kirche vorbei zur Hargwyne Street. Sue und ich freuen uns, uns zu sehen. Wir führen Professor Ben, den Hund, in den Park spazieren und trinken italienischen Kaffee. Gehen in Sainsbury's einkaufen für das Abendessen: Tortellini, Forelle, Tomatensoße. Wir gewinnen einen Weißkohl.


Am späten Nachmittag ist Sue müde. Sie will Fernsehn gucken. Das ist bei ihr so. Man schaut fern, macht noch irgenwas anderes dabei, und unterhält sich. Ich bin das nicht gewohnt, zudem muß ich mich doch auf die fremde Sprache konzentrieren, auch wenn ich das meiste verstehe. Gehe raus: Brixton Market, der super sortierte Second-Hand-Buchladen in Coldharbour Lane, Internetcafé.


Danach suche ich die Galerie, in der die Trent-Park-Fotos ausgestellt sind. Nicht Electric Avenue, sondern Electric Lane, lerne ich nach 20 Minuten auf und ab in der Straße. Hat aber eh zu, gehe am nächsten Tag hin. Wieder bei Sue, treffe ich Yan, Sues Sohn. Der ist gerade wieder mit irgendwelchen Deals beschäftigt und ansonsten maulfaul. Wollte als Musiker berühmt werden. Mit über 30 hat er sich für eine Karriere als Elektriker entschieden. Zwangsläufig.

Finde ein Hochzeitsfoto von einem jamaikanischen Paar auf Sues Küchentisch. Denke, das könnte Bibi sein, die Nachbarin. In böser Vorahnung frage ich Sue nach ihr. Sie sei am Freitag gestorben. Alles habe damit angefangen, dass sie vor einem Jahr die Fenstereinfassungen an ihrem Haus in einem Pissgelb habe streichen lassen. Die Nachbarn hätten sich alle über ihren schlechten Geschmack lustig gemacht, aber keiner hat es ihr ins Gesicht gesagt. Sue war die Einzige, die es ihr direkt gesagt hätte. Bibi war verletzt. Ging kaum noch aus dem Haus. Weihnachten hat sie bei Maureen die Straße hoch gefeiert. Sue war auch da. Kinder hatte Bibi nicht, der Mann war schon vor langer Zeit an einem Herzinfarkt gestorben. Letzte Woche sei man dann in Bibis Haus eingestiegen, weil man sich Sorgen machte. Alles wäre total verwahrlost gewesen. Die Möbel standen noch in der Zimmermitte von der letzten Renovierung, in der Küche Essensreste mit Schimmel. Maureen und Sue haben geputzt. Dann kam Verwandschaft von Bibi irgendwoher, zur Nachlassverwaltung. Bibi will in Jamaica begraben werden, neben ihrer Mutter. Am nächsten Tag fotografiere ich die pissfarbenen Fenster.



Abends bin ich zu müde um wegzugehen. Muß auch fit sein für das Interview am nächsten morgen. Sue schaut sich zweiten Teile von irgendwelchen Fernsehkrimis an und wir quatschen. Dizzy, der Barrelhouse-Piano-Spieler, kommt. Durch den hatte ich Sue vor über 10 Jahren kennengelernt. Er wohnt bei ihr zur Untermiete, wenn er in London ist und ich habe damals das zweite Zimmer gekriegt. Dizzy geht wieder. Sue hatte ihm gesagt, dass ich komme, und sein Zimmer haben soll. Ich hätte auch auf den "Settee" geschlafen, aber Sue wollte es so. Danke Sue, danke Dizzy.


Am nächten Morgen auf dem Weg zum großen Interview mit Tony Visconti (Ausschnitte und Beitrag dazu hier), von dem ich mir viel verpreche, was auch gehalten wird. Brixton Line, in Green Park umsteigen. Picadilly Line bis Glouchester Road. Ein victorianisches Hotel in Chelsea, obere Mittelklasse, schätze ich. Habe keine Ahnung von Hotels, und auch nicht so wirklich von Architektur. Vielleicht ist es auch gregorianisch. So ein weißes Ding mit Säulen davor, typisch London. Soll Meister Visconti in seinem Hotelzimmer anrufen. Mache mich noch etwas zurecht, als mich ein kräftiger, großer Ami in meinem Alter anspricht: Hallo, ich bin Joe D'Ambrosio, Tonys Manager. Wir richten uns in der Lounge ein, weil er Tony nicht zu nahe treten will und nicht fragen mag, ob wir das Interview in seinem Zimmer machen können. Aber Tony kommt und sagt sofort: Hier ist es doch ungemütlich. Lass uns das bei mir machen. Er wirkt enspannt und angenehm. Obwohl er in seiner Körpersprache selbstsicher ist, scheint er doch etwas aufgeregt zu sein, weil er doch nicht so viele Interviews gewohnt ist, oder weil es um seine Autobiografie geht.


Er erzählt in epischer Breite Teile aus dem Buch nach, nur wenn man nachhakt auch mal frei. Es ist trotzdem faszinierend und ich schaffe es nicht, ihn zu unterbrechen. Zweimal irritiere ich ihn, weil eine Geschichte aus dem Buch nicht stimmt, und dann ist er sich nicht sicher, wo "Heroes" abgemischt wurde. Auf dem Cover steht Mountain Studio Montreux. Er reckt seinen Hals hoch und runter wie ein irritierter Haubentaucher und horcht in sich. Aber doch, es sei in Berlin gewesen. Er könne sich an eine Situation erinnern, wo sie ein ewig langes Stück Band gehabt hätten, auf dem ein einziger Loop war. Bowie hätte sich in die Mitte gestellt, um die Längenverhältnisse zu demonstrieren. Davon hätte er ein Foto, das wäre auf seinem Computer. Leider kam ich nicht dazu, es zu sehen. Just als wir über meine All-Time-Lieblingsplatten, Bowies "Berlin-Trilogie", sprachen, ruft die Dame vom Verlag an. Die dreiviertel Stunde Interviewzeit sei vorbei. Ich war total erschrocken, weil ich die Zeit komplett vergessen hatte. Ich bekomme noch eine viertel Stunde. Wir sind immer noch bei den Berlin-Platten, als es wieder klingelt. Dann muß Visconti zu einem berühmten Fernsehmenschen namens Steve W. - 7 Millionen Zuschauer. No way to miss that. Aber ich kann es nicht glauben: Ich bekomme noch einmal Zeit geschenkt, wenn ich um 5 wieder vorbeikomme.

In einem indischen Restaurant ziehe ich die Tracks auf den Rechner. Einer hakt. Bitte nicht. Alles nochmal gut gegangen. Mein Geld ist auch endlich auf der Bank. Ich kaufe mir ein Buch von Richard Powers, The Time of Our Singing, und eins über die britischen Medien. Lese in einer Autobiografie von Steve Strange, welchen Einfluß Bowie auf sein Image hatte (einen massiven). Fahre nochmal zurück nach Brixton. Mache Fotos von Bibis Haus und schaue mir die Ausstellung an. Dann wieder nach Chelsea. Gehe im Hyde-Park an der Serpentine spazieren. An dem neuen Diana-Memorial ist eine ausführliche Gebrauchsanweisung angebracht (Foto folgt). Auf dem Weg zum Hotel verlaufe ich mich. Dadurch komme ich aber durch nette Straßenzüge mit kleinen Häuschen wie in der Vorstadt (der edleren), ganz ruhig und nicht wie im Zentrum von London. Was die Teile kosten möchte ich nicht wissen. Komme noch pünktlich. Visconti sagt, er sei tot. Gibt mir trotzdem nochmal zwanzig Minuten und hört erst auf, als er wirklich nicht mehr sprechen kann. Wir sind immer noch nicht fertig - ich hätte noch für eine Stunde dringende Fragen. Er macht noch ein paar Fotos von mir mit meinem Fotoapparat. Nach einem kurzen Anfall von Enthusiasmus hat aber doch nicht mehr den Nerv, sich richtig mit der Kamera zu beschäftigen. Die Fotos sind dann auch nicht so richtig vorteilhaft. Sieht er auch so und gibt auf. Zum Schluß eine Umarmung. Ein Tai-Chi-gestählter Körper wie ein Zwanzigjähriger.


Ich komme 10 Minuten zu spät zu Sue - sie hatte mir ihren Schlüssel ausgeliehen. Glücklicherweise war Dizzy da, sonst wäre sie stocksauer gewesen. So war alles gut. Sie ist nur müde. Maureen kommt vobei, Sues beste Freundin, die ein paar Häuser weiter wohnt. Wir freuen uns, uns zu sehen. Aber viel zu reden gibt es nicht. Sie ist auch noch traurig über Bibis Tod - sie waren eng befreundet. Regt sich über die ganzen Leute in der Straße auf, die jetzt plötzlich Trauer heucheln und sich zu Lebzeiten nie für Bibi, die in den 60er Jahren aus Jamaica eingewandert war, gekümmert hätten. Habe noch eine Kassette mit ihrer Lebensgeschichte - oder Teilen davon - irgendwo rumfliegen. Die hatte sie mir 1999 mal erzählt, bei einem karibischen Essen. Weiß gar nicht, ob ich ein Foto von ihr habe. Muß ich mal schauen.

Ich koche das Essen von gestern auf - Sue hat den ganzen Tag gekocht und keine Lust mehr. Sie beschwert sich, dass sie keine rote Beete und keine Gurken in ihrem Salat finden kann. Ich eile in die Küche um ihr welche zu bringen. Wir lachen. Schauen das englische Abendprogramm. Auf Channel 4 eine Serie namens "Shameless", mit einem Proll-Alki-Familienpatriarch, der nach einer Eskapade zu seinen Lieben zurückkehrt, um wieder deren Oberhaupt zu sein, "his rightful place", Teenager-Mädchen, die von ihren Müttern losgeschickt werden endlich jemanden zu finden der sie fickt, Jungs, die sich ineinander verlieben. Einer davon ein (scheinbar) ganz Harter, der zuschaut, wie sein Hund den neuen farbigen Nachbarn angreift, und laut schreit "You fucking cunt" (hört man normalerweise nicht im englischen Fernsehen), in tiefster, halb erwiderter Verknalltheit "I love you" zum Nachbarsjungen mit dem Proll-Alki-Vater sagt, und sich in die Hose faßt, weil er eine Latte hat.

"Welcome to England" sagt Dizzy. Er schaut sich lieber schnulzige romantische Serien aus dem Mittelklassemilieu an, wo niemand "cunt" sagt. Ein letzter Ausflug nach Brixton Station, um nach dem Nachtbus zu schauen. Fahre dann doch von Stockwell Road. Sue geht ins Bett und fragt wann ich wieder komme. Ich nehme sie in den Arm und wünsche ihr eine gute Nacht. Dizzy schaut noch weiter Fernsehen - ich würde mich gern hinlegen. Auf seine schwerfällige Art versucht er ein Gespräch anzufangen. Ich bin zu müde und lasse mich von der Flimmerkiste ablenken.

Schlafe noch drei Stunden, gehe in Trance zum Bus nach Victoria. In Deutschland waren in der frühen S-Bahn zum Flughafen ausschließlich weiße Männer, hier scheinen um 4 ausschließlich farbige Frauen zur Arbeit zu fahren. Im Flughafen fahre ich noch mal kurz einen Film als ich erfahre, dass ich nur eine Tasche Handgepäck mitnehmen darf. Auf dem Hinweg waren zwei kein Problem. In meinem übermüdeten Zustand mache ich die Angestellten ziemlich blöd an. Schaffe es aber irgendwie, alles in eine Tasche zu stopfen, auch wenn alles oben rausquillt. "This is one bag, isn't it," herrsche ich den armen Burschen an. Er schaut verzweifelt und meint: "I suppose so."

Goodbye London.

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