Montag, Februar 04, 2008

Interdisziplinäre Kunst

Hier hat Jeffrey Lewis die Texte des wie immer wunderbaren neuen Mountain Goats-Albums "Heretic Pride" (VÖ 28. Februar) zeichnerisch interpretiert. Die Texterklärungen stammen von Herrn Darnielle alias Mountain Goats selbst.

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Sonntag, September 02, 2007

Immer antizyklisch handeln...

Ein paar Freunde von mir - alle mit erlesenem Musikgeschmack - haben gestern einen neuen Plattenladen eröffnet. Neu und Second-Hand: Indie, Soul, Funk, Dub, Sixties - was das Ohr begehrt, vom Feinsten...

Man wünscht viel Glück und Kundschaft mit ebensolchem Geschmack zuhauf! Hinfahren mit der Linie 10 Richtung Ahlem, Am Küchengarten aussteigen, an den "Waschweibern" vorbei die Fössestraße ein paar Schritte hoch (Richtung stadtauswärts)an der Hausecke:

MINT MUSIC
Fössestraße 6
30451 Hannover
0511-2602518
info@mintmusic.de.






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Mittwoch, August 08, 2007

Gewalt II

Ebenfalls gestern erzählte mir eine junge Bekannte (19) auch eine unglaubliche, und unglaublich traurige Geschichte. Das sie mit ihrer Schwester (17) gemeinsam in ihre erste eigene Wohnung zieht fand ich ja noch toll. Nur als sie von den Umständen berichtete war ich fassungslos.

Ihre Mutter lebt seit 14 Jahren von ihrem Vater getrennt und hatte wohl seitdem auch keine ernsthafte Beziehung. Hat den Vater auch gut von den Kindern ferngehalten und so richtig gekümmert hat er sich wohl auch nicht, weil er eine neue Familie hatte. Das Mädchen ist mir schon dadurch aufgefallen, dass sie sehr nach Kontakt und Anerkennung sucht, aber eigentlich hat sie auf die Mutter nichts kommen lassen. Nur seit diese jetzt mit einem neuen Mann zusammen ist, ist sie anscheinend völlig durchgeschallert. Der Typ muss der letzte Asi wie im Bilderbuch sein: Alki, arbeitet nicht, hat seine Ex geschlagen und wahrscheinlich auch keine Ambitionen, das in der neuen Beziehung zu lassen. Und auf die Kinder hat er keinen Bock - bedroht sie körperlich, spuckt sie an, erniedrigt sie verbal. Und verlangt, dass sie aus dem Haus ausziehen.

Spätestens da muss in jeder Mutter (repektive Vater) doch der Beschützerinstinkt erwachen. Aber Mutti säuft lieber mit dem Alten die Nacht durch in der Küche, zwischendurch wird eine Nummer geschoben - während Schulfreundinnen der Töchter da sind. Werden die Kinder bedroht, steht Mutti daneben und lacht. Und verlangt von ihnen ebenfalls dass sie ausziehen und läßt sogar das Schloss auswechseln. Trifft ihre Töchter zufällig woanders und grüßt sie nicht mal.

Glück im Unglück ist wohl, dass sich der Rest der Familie um die Beiden kümmert und sogar der Vater wieder auf den Plan getreten ist. Aber wie kann man so völlig abdrehen? Das kann nicht allein sexuelle Frustration sein. Da muss wohl der Psychiater her. Da die Mutter den Weg nicht gehen wird, werden es die Kinder unfreiwillig früher oder später tun müssen.

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Montag, Juli 16, 2007

"Drugs don't kill you, foolishness does"



Leider ist das Video weg. War Klasse: Johnny Rotten läuft wie ein aufgescheuchter Vogel durch einen Zeitungsladen und philosphiert, ohne den Interviewer weiter zu beachten, über das Leben. Der beste Satz war obiger.

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Freitag, Juli 13, 2007

Jazzmatazz

Donnerstag, Juli 12, 2007

Chelsea Hotel No3

Jetzt gibt es sogar schon eine Fotoaktion bei Flickr, die die alte Managerfamilie Bard zurückbringen soll. Bald gibt es Lichterketten...

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Mittwoch, Juli 11, 2007

Chelsea Hotel No2

Sonntag, Juli 08, 2007

The Times They Are A-Changing - oder I Remember You Well...


Foto: Wikipedia/Gyrofrog

Eigentlich war nur eine Frage der Zeit in Anbetracht der städtebaulichen Entwicklung in Manhatten: Nach der Schließung des CBGB aufgrund massiver Mieterhöhungen im Oktober 2006 geht es jetzt auch dem Chelsea Hotel an den Kragen. Am 18. Juni ist der heute 73jährige Stanley Bard aus dem Management gedrängt worden. 1955 hatte er das Hotel übernommen, das sein Vater - mit zwei Teilhabern - in den 40er Jahren gekauft hatte. Er führte es als Familienbetrieb, den sein Sohn David weiterführen sollte. Die Erben der Miteigentümer setzten durch, dass für ihn nun die Managementgesellschaft DB Hotels eingesetzt wird, die schon einige Hotels in Manhatten auf den neuesten Stand gebracht haben - allerdings dem Zeitgeist entsprechend, der wenig mit dem zu tun hat, was das legendären Hotel repräsentiert.

Das hatte über Jahrezehnte berühmte Schriftsteller, Musiker und Künstler beherrbergt, oft als Dauerresidenten, bei denen der Chef auch mal ein Auge zudrückte, wenn die Miete nicht pünktlich kam - wobei es allerdings eine Legende sein soll, dass er einige auch umsonst wohnen ließ. Hier enstanden zentrale Werke der US-amerikanischen Kultur - und das Hotel war Ort diverser persönlicher Dramen wie dem (nie geklärten) Mord von Nancy Spungen durch Sid Vicious. Dylan Thomas trank sich hier zu Tode, Arthur Miller schrieb im Zimmer 711 sein Erfolgsstück A View from the Bridge zur Operette um, Arthur C. Clark verfasste im Chelsea Hotel das Jahrhundertwerk "2001 - Odyssee im Weltall". Leonard Cohen verbrachte hier eine Nacht mit Janis Joplin - und verewigte das Erlebnis in seinem Song "Chelsea Hotel", Andy Warhol filmte hier eine "Superstars", im Film "Chelsea Walls" von 2001 mit Ethan Hawke (und der Musik von Wilco) war die Legende des Hotels und der darin lebenden Künstler selbst Thema.

Foto: Wikipedia/Calton


Das Haus selbst - 1883 als Appartmentblock erbaut - ist Anno 2007 wohl ziemlich abgerockt - das Ambiente ist schmuddelig, Stromkreisläufe halten der neumodischen Doppelbelastung von Computer und Haartrockner nicht mehr Stand und überhaupt ist das Hotel im den letzten 30 Jahren völlig neu renovierten Manhatten ein Anachronismus. Es ist ein letztes Überbleibsel der Bohème-Kultur, welche die Stadt im 20. Jahrhundert zum kreativen Nabel der Welt, zum Sehnsuchtsort vieler Künstler und Kulturinteressierter werden ließ, die das Lebensgefühl ausmachte, was man mit New York verbindet. Diese Kultur war durch die Sanierung Manhattens und die dadurch ins Maßlose gestiegenen Immobilienpreise auf der Halbinsel in den letzten Jahren immer mehr verdrängt worden und ist heute kaum noch existent, da sich kaum ein Künstler - außer er heißt David Bowie - die exorbitanten Mieten bzw. Kaufpreise hier leisten kann. Dafür sind die Immobilien hier so attraktiv für Spekulanten, dass ihnen jedes Mittel Recht ist, unliebige und nicht entsprechend zahlungsfähige Mieter bzw. Altbesitzer wegzugraulen.

Jetzt bestehen nicht ganz unberechtigte Befürchtungen, dass das Hotel der bereits stark aufgeschickten Umgebung angepasst werden soll. Die neuen Manager haben bereits eine Renovierung angekündigt - allerdings wollen sie angeblich den alten Charakter des Hotels aufrecht erhalten und es sogar wieder zum Ruhm seiner alten Tage zurückführen. Allerdings nach der zu erwartenden Mietanpassung ohne die Mehrheit seine Dauerbewohner, die immerhin 2/3 der Gäste ausmachen - viele von ihnen können schon jetzt die für die Gegend unschlagbar billige Miete von unter 1000 Dollar im Monat kaum aufbringen. Zudem beobachtete ein Reporter des Independent, dass die neuen Manager bei der Zimmerbesichtigung kaum verbergen konnten, wie angewidert sie vom Zustand des Hotels waren. Hotelbewohner, die ebenfalls bezweifeln, dass die neuen Manager Sinn für die Geschichte des Ortes und den Willen, diese zu respektieren haben, führen seit einiger Zeit einen Blog. Hier sammeln sie kritische Infos und Links zu Artikeln über das Hotel.

Ein wunderbar beobachtes, wissendes und unter all seiner Sachlichkeit zutiefst leidenschaftliches Buch über die kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung New Yorks in den 1980er bis in die frühen 2000er Jahre, in deren Kontext auch die Subkulturen der letzten Jahrezehnte und deren Veränderungen zu sehen sind, hat der Journalist Andrian Kreye verfasst: "Broadway Ecke Chanal" (2004, Droemer/Knaur, ISBN: 3426777517).

Foto: Wikipedia/Daniel Schwen




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Dienstag, Juli 03, 2007

Die Stadt als Kino


Seit einem Tag in Brüssel. Und morgen geht es wieder weg. Da gibt es keine Zeit, die Stadt kennenzulernen. Obwohl sie mir jetzt schon gar nicht mehr so richtig fremd scheint - nur merkwürdig egal. Heute morgen in der EU-Verwaltung, was erstaunlicherweise sehr interessant war, zumindest ein Mensch, der für Medien zuständig ist, und eine Abgeordnete aus Celle (!), die sich vorrangig für Menschenrechte einsetzt.

Dann eine individuelle Stadtbesichtigung, die vom Justizpalast direkt in ein Viertel führte, dass sich offensichtlich im Umbruch befindet (wie ich später lernte, die Marollen, offenbar auch nicht ganz ungefährlich, wenn man liest Muslim Rioting und Drie lijken aangetroffen, auch wenn's nur den Schneidermeister samt Familie erwischt hat).

Noch viel Abgerocktes, romantisch anmutende Arbeiterhäuser, die bessere Zeiten gesehen haben, dazwischen Wohnsilos, aber auch schon wieder subkulturelle Läden, so im Niemandsland zwischen Verfall und Sanierung für die obere Mittelklasse, und junge, hippe Designerläden und renovierte Häuser. Migrantenkinder kickten auf der Straße, in einer Abgabestelle für vernachlässigte Tiere, die ich näher inspizieren wollte, stieß ich erschrocken auf Penner, die da schliefen. Drei anderen, laut krakeelenden von diesen Truppenteilen rollerte im Vollrausch eine Bierdose die abschüssige Pflastergasse weg. Sie waren nicht mehr in der Lage sich soweit körperlich zu koordinieren, ihr hinterherzulaufen - obwohl es offensichtlich ein herber Verlust war. Wie vieles andere habe ich das nicht fotografiert. Dafür lieber unbelebte Zeichen für die selben Symptome. Aber auch das Bezaubernde im Verfall (solange man nicht drin wohnen muß, I guess), wie die schönsten, kunsvollsten Graffities, die ich je gesehen habe.



Interessantes über die soziale Konstruktion und Entwicklung der Marollen im Brüsseler Stadtraum hier, zur Geschichte ab S. 17.

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Samstag, Juni 02, 2007

Get Some Reward


Soviel ich mich auch über den extrem hohen Frustrationsgrad beklage, den der freie Journalismus mit sich bringt, wenn man den Krempel dann verkaufen muss: Die Chance, mit extrem interessanten Menschen sprechen zu dürfen macht einen zumindest in Momenten über all das erhaben. Eben bin ich fast euphorisch von einen einstündigen Interview mit dem Kunstkritker und AIDS-Aktivisten Douglas Crimp zurückgekommen.

So eine Lebensgeschichte! Der ist 1944 in einem klischeemäßigen US-Kaff geboren, da groß geworden und merkte irgendwann er ist schwul. Hatte aber keine Rollenvorbilder und keine Vorstellung davon, dass es außer seiner kleinen Welt noch was anderes gibt. Dann ist er 1962 als Undergraduate-Student nach New Orleans gegangen. Dort hat er - nach dem Kulturschock - gemerkt, wo's langegeht - zumindest für ihn. Hat auch ein bisschen länger gedauert, aber ist ja alles gut gegangen - er ist inzwischen Professor. 1967 ging er erstmal nach New York - Mitten ins Geschehen. Er fing an, am Guggenheimmuseum zu arbeiten und war so auch bald in der Szene drin. Die sei auch im Vergleich zu heute recht übersichtlich gewesen. Alle wichtigen Protagonisten hätte er zumindest vom Sehen gekannt - unter anderem Andy Warhol, zu dem er bis heute viel arbeitet, und dessen Umfeld. Anfang der 70er Jahre hat er sich erstmal ins schwule Partyleben von Manhatten gestürzt.

Dann hat er 76 sein Studium fortgesetzt weil er merkte, dass er als freier Schreiber nicht über die Runden kommt und es besser ist, im akademischen Feld zu arbeiten. 1978 wurde ihm die Mitarbeit am hochtheoretisierenden Kunstmagazin October angeboten, die er bis zu einem Streit 1990 lange Jahre als Mitherausgeber betreute. Irgendwann hat er dann auch zwischendurch seinen PhD gemacht. 1987 begann er für eine Ausgabe zum Thema AIDS - damals grad hochaktuell - zu recherchieren. Schnell kam er zur Aktivistengruppe ACT UP, bei der er vier Jahre mitarbeitete. Sein 1987 erschienenes Heft zu AIDS, dass auch weniger oder nichtakademische Texte enthielt, wurde zu einem Meilenstein und Standardwerk zum Thema, das bis heute in Buchform erhältlich ist. Ein weiteres Hauptthema von Crimp ist die Betrachtung und Dekonstruktion des Treibens in der Kunstwelt - der Museen als Institutionen, der Künstler und der Kunstkritiker. Im Moment arbeitet er an einem Essayband zu den Filmen Andy Warhols.

Im Übrigen sind oben nicht nur Crimps Hände zu sehen, weil er ansonsten unansehlich wäre - im Gegenteil - so ein Lebenslauf scheint jung zu halten. Wären da ein paar Falten weniger gewesen, hätte ich ihn auf Mitte 40 geschätzt. Und der Mann ist HIV-positiv - anscheinend aber auch den Zugang zu den entsprechenden Medikamenten. Trotzdem mahnt er an, nicht zu vergessen, dass a) viele Leute das Privileg nicht haben, weil die Medikamente scheissen teuer sind und es b) trotz medizinischer Versorgung nicht wirklich erstrebenswert ist, mit der Krankheit zu leben. Er wehrt sich jedoch vehement gegen diejenigen, die zur sexuellen Abstinenz raten oder gar der Homosexualität "abschwören" wollen. Seine Lösung ist eine starke und umsorgende gay community, wie er sie in den 70er und 80er Jahren erlebt hat. Dort hätte man sich gegenseitig über Safer-Sex-Praktiken ausgetauscht, was heute kaum noch passiere.

Es ist fast verständlich, dass Crimp ein wenig nostalgisch nach den 1970er Jahren ist - politisch und privat. Noch heute scheint er begeistert davon, dass er nach Stonewall endlich seine Homosexualität offen leben konnte - und es aus politischen Gründen auch für sich musste - und als offensichtlich politisch ziemlich links angesiedelter Mensch findet er den Backlash wahrscheinlich auch nicht so wirklich schön. Die extremen Licht- und Schattenseiten des schwulen Lebens im New York der 70er Jahre, die Crimp aber wahrscheinlich auch als sehr subkulturell empfunden hat, hat übrigens der afroamerikanische Fotograf Alvin Baltrop sehr lebensecht eingefangen, als er die Schwulenszene in den verfallenen Piers von Manhatten zu dieser Zeit der Deindustrialisierung der Halbinsel fotografierte (Piers heute). Gleichzeitig machten sich da aber auch Künstler wie Gordon Matta-Clark zu schaffen - der allerdings das schwule (und auch kleinkriminelle) Klientel der Piers buchstäblich ausschloss, indem er einfach ein neues Schloss einbaute, wenn er irgendwo künstlerisch aktiv wurde.

Solche Sachen lernt man in Interviews - die man entweder als unnützes Wissen verwerfen kann oder als das Faszinierende an unserer Welt empfindet, zumindest wenn dann mit der Zeit die ganzen Puzzelteilchen zusammenkommen.

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Samstag, Mai 26, 2007

Maximo Park in Hannover

Before the show.


Mehr Fotos hier. Leider durften wir nur drei Songs lang fotografieren - und dann gar nicht mehr. Deshalb kein Bild vom Enthusiasmus der Fans, die reihenweise rausgezogen worden sind, weil sie für den Geschmack der Security zu viel Spaß hatten. Und einige sind auch ohnmächtig geworden bei der Hitze und der Aufregung.

Ich hatte Maximo Park ja vor zwei Jahren schonmal live im hippen Berliner Postbahnhof gesehen. Da wollte ich gar nicht unbedingt hin, weil ich dachte ich bin 10 Jahre zu alt für die nächste Britpopband. Ich bin aber mitgegangen, und war von ihrem Auftritt sehr angetan. Sie wirkten erfrischend, und als ob sie sich wirklich über ihren Erfolg wie die kleinen Kinder freuen. Damals sagte Sänger Smith auf der Bühne, er müsse aufpassen, dass er nicht abhebt. Dass das auch damals schon ein wenig Masche war zeigte sich, als ich las, dass er das gleiche beim nächsten Auftritt in Hamburg gesagt haben soll.

Diesmal wirkten sie etwas müder und routinierter - aber sie sind immer noch einer der besten Liveacts, die man im Moment sehen kann. So viel Engergie wie Paul Smith haben wenige Frontleute. Dazu hat er noch Talent, was im Kopf, sieht umwerfend aus und wirkt dabei treuherzig - das was man auf Englisch als teenage heartthrob bezeichnen würde. Und die anderen Bandmitglieder stehen ihm in puncto Grips, nett erscheinen und Aussehen kaum nach. Auch für Leute über 25 noch unterhaltsam und charmant, wenn man über ein kreischendes Teenagerpublikum erhaben ist.

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Mittwoch, August 23, 2006

Fragen und Fronten

Erinnert ihr euch noch an den Bunker mit den Türen? Lange gab es da jetzt einen Burgfrieden: Die unvorteilhaftere, da in der weniger begangenen Straße gelegen Tür war bald wieder voller kleiner Plakate, die da ungestört hängen konnten. Die andere war knallrot beklebt und oben stand Hannover drauf. Immerhin - man hat vergleichsweise Sensibilität für die Lindener Vorlieben beweisen.

Dann hatten wohl einige Ahnungslose wieder die rote Tür beklebt - was sofort wieder abgerissen wurde - diesmal nicht vom Volk, sondern von Freunden des Eigentümers. Neu rot beklebt, diesmal ohne Hannover. Dafür aber wieder mit einem deutlichen, aber auch sensibleren Hinweis des Eigentümers. Und man glaube es oder nicht, trotz des deutlich reduzierten Texts wieder mit Rechtschreibfehler. Und zwei Ausrufezeichen müssen auch sein!!





Beim Fotografieren traf ich dann auch mal einen dieser Freunde des Eigentümers, der sich auch über die unordentliche Plakatiererei und so echauffierte und wohl derjenige ist, der sich immer um die Ordnung an der Tür kümmert. Habe vergessen ihn zu fragen, ob inzwischen Überwachungskameras aufgestellt sind. Ist ja jetzt hoffähig.



Dafür gab er mir auf meine anderen Fragen freundlich Auskunft:
*das sind in der Tat Sozialwohnungen auf dem Dach, aber auch Innen ganz gut ausgebaut.
*Fahrstuhl gibt es nicht
*die Mieter kommen über den benachbarten Hauseingang rein.


So, jetzt ist alles geklärt, die Fragen und die Fronten.

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Donnerstag, Juli 13, 2006

Der Kampf Gut gegen Böse geht weiter...


Am Dienstag waren die mutigen Pflänzchen wieder plattgemacht. Jetzt sollte auch Linden Nord auf keinen Fall entgeghen, dass Wolfgang Petersen in Hollywood einen neuen unnötige Blockbuster gemacht hat, der sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks durch die Kritik gerauscht ist. Dafür haben sich fleißige Knibbler am anderen Deutschlandtürchen zu schaffen gemacht und unter anderem Aliens freigelegt.



So sieht das da übrigens insgesamt aus.



Obs das jetzt auf B-Schein gibt und wie die überhaupt ins Haus kommen habe ich noch nicht rausgekriegt. Macht auf jeden Fall was her, wenn man oben ist.



Und am Mittwoch jedenfalls haben wieder todesmutige Plakatierer zugeschlagen, noch mehr an der schlechter einzusehenden Tür (Bild ganz unten). Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und diese junge Lindenerin erkundigte sich schon wieder über die aktuellen Veranstaltung und unterhielt sich mit ihrer Mutter (?) darüber, ob sie nicht zur 80er-Jahre-Party im benachbarten alternativen Veranstaltungszentrum Faust gehen wollen.


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Dienstag, Juli 11, 2006

Unkraut vergeht nicht

Und schon haben sich ein paar Veranstalter gefunden, die entweder nichtsahnend sind oder verwegen der Tatsache ins Auge sehen, dass diese "fahrlässige Beklebung" eine "Ordnungswidrigkeit" von bis zu 4000 € nach sich zieht.

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Samstag, Juli 08, 2006

Deutschlandverordnung

Bis vor kurzem war dieses Tor eines Bunkers in Linden-Nord, hinter dem sich, glaube ich, Übungsräum verbergen, wild mit lustigen Plakaten beklebt. Die wiesen zumeist auf Veranstaltungen in lokalen Kneipen und Clubs hin. Eine der letzten Bastionen, auf der so etwas geschah, nachdem die Stadt schon vor einigen Jahren gegen die bösen Plakatierer vorgegangen war, die heimlich des Nachts losziehen, und lieber selbst jede geeignete Fläche gegen Bares vermietet hat. Klar, dass da dann nur noch Plakate für die goßen Veranstaltungen hingen.

So etwa zur Mitte der schönen Fußball-WM, die uns das Wir-Gefühl wiedergegeben hat, und nachdem Deutschland nicht gleich in der Vorrunde rausgeflogen war und unser Klinsi kein Bundeverdienstkreuz in Aussicht gestellt gekriegt und wir uns alle nicht so geliebt hätten, tauchte dann eine professionelle Beklebung in AOK-Ästhetik auf. Irgendwas mir Fußball, schönen, gesunden Menschen (natürlich auch mit Repräsentationsneger, um nicht in die brauen Ecke gestellt zu werden, bin ich geneigt zu sagen) und Deutschland. Kurz darauf nur noch Deutschland.



Linden-Nord wäre nicht Linden-Nord, wenn das nicht nach der ersten Nacht ein paar weiße Risse gehabt hätte. Gestern ging ich an der mehrfach nachrenovierten Tür vorbei und fand dann das, geklebt auf ein schickes Metallschild, aber nur luschig mit Gaffertape an die Hauswand gebappt, was natürlich sofort wieder abgefallen ist. Und dem Ton und der Vielzahl drohender Ausrufezeichen nach zu urteilen war da jemand richtig sauer und verständnislos über diesen Vandalismus:





Und Linden-Nord wäre nicht Linden-Nord, wenn das frisch restaurierte Deutschland-Türchen nicht sofort wieder Schaden genommen hätte und auch das Schild nicht am selben Abend wieder verschwunden wäre. Auf dem Heimweg dachte ich dann über verschiedene mögliche Verschwörungstheorien nach: War dieses Schild nur Provokation und Verarschung ("Kulturwerbung"???)? Hätte man, wenn man von gesundem Menschenverstand und geistiger Beisammenheit ausgeht, denken können. Dagegen spricht, dass das Haus in der Tat vor einigen Jahren schick renoviert wurde und auf dem Dach jetzt wirklich super Appartments mit sonnigen Balkonen hat (gibt es da eigentlich einen Fahrstuhl – ist ganz schön hoch). Da stören natürlich vollgeklebte Türen, und ein bisschen Geld mit bezahlter Plakatwerbung reinzukriegen ist ja auch ein feiner Nebenverdienst zu den sicher nicht ganz niedrigen Mieten.

Hola, jetzt kam ich auf die Verschwörungstheorie schlechthin: Der ganze Deutschlandwahn nur ein Produkt von Werbefirmen und sonstigen Damit-Geld-Verdienern und von Parteien und Institutionen, an denen ansonsten kein gutes Haar gelassen wird und die ein bisschen Farbe auf dem angekratzten Lack und Wir-Gefühl auf der geschundenen Seele gebrauchen können, und die Ewiggestrigen, die auf dem allgemeinen Backlash wieder gedeihen sowieso ... Dann schießen noch so ein paar Leute wie dieser Mensch von der Erziehungsgewerkschaft Eigentore, um in der Sprache der Zeit zu bleiben (war der eigentlich gekauft?), Ströbeles Onkel Herbert Zimmermann war der Moderator mit dem „Tooooor“ und er hat die Rechte daran geerbt, auch wenn er kein Fähnchen an sein Rad bastelt....oh, oh.

Nun ja, das ist sicher alles etwas differenzierter. Aber ich glaube ja, dass tatsächlich ein ein Großteil der billigen Plastikfähnchen nicht hängen würde, hätte es die Umsonst-Beilage der HAZ nicht gegeben (och wenn sie mal da sind, zu Schade zum Wegschmeißen), oder die unwiderstehlichen Schnäppchen für zweifuffzich. Jetzt ist es ein Selbstläufer geworden, wir brauchen alle ein wenig Wir-Gefühl auf der geschundenen Seele. Zudem hat „mal wieder Flagge zeigen dürfen“ den Reiz des Neuen, Ex-“Verbotenen“ - ... mein Gott, dann macht man mal mit. Die anderen machen das ja auch, und man will ja keine Spaßbremse sein, ein wenig vergessen und nachdenken schon gar nicht. "Wir machen weiter" droht Bild nach der Niederlage. Und es ist doch so schön für die Kinder.

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