Freitag, November 16, 2007

Ich bewege meinen werten Hintern...

..ja auch mal vom Rechner weg und war letzlich zwei Tage in Hamburg. Mit der Mitfahrgelegenheit, mit der ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe. Aber irgendwie macht es mich doch nervös, zu wildfremden Leuten ins Auto zu steigen. Aber die Bahncard ist alle und die Fahrt (eine!) kostet inzwischen fast 40 Euro. Danke.



Eigentlich wollte ich mir nur Luzi anschauen (mehr Fotos hier, eine rudimentäre Review, die ich am Tag danach mehr als Gedächtnisprotokoll geschrieben habe, arbeite ich vielleicht am Wochenende endlich auf, sie ist dann auch dort zu finden).

Mußte dann wegen der bescheidenen Zugverbindungen zurück, die abgesehen davon eh unbezahlbar gewesen wären dableiben. Was aber zweifach gut war: Ich habe bei sehr lieben Freunden von Freunden Unterschlupf gefunden, bei denen ich mich so einfach nicht getraut hätte zu fragen, ob ich vorbeikommen darf. So war es auch schön, sie zu sehen.

Am Tag danach habe ich dann bei NDR-Info vorbeigeschaut, weil ich für den Nachtclub ab und zu was gemacht hatte und mich auch mal persönlich da sehen lassen wollte. Endgültig angetan war ich war ich das Zimmer vom Chef betrat und sah: Da sind echte Musikfreunde. Da sieht's aus wie bei mir. Ein wenig zu irritieren scheint es sie schon, denn Frau Gobelin erwähnte am Telefon schon als erstes die CD-Berge. Aber sie stehen dazu, so wie ich auch, wenn ich Besuch habe. Wahre Leidenschaft ist nicht peinlich.


Foto: Barbara Mürdter

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Dienstag, Mai 01, 2007

Looking for Love - Vor 25 Jahren starb der legendäre Musikjournalist Lester Bangs

Anstatt den Mai zu feiern, habe ich vor dem Radio gehangen. Diese Geeks - wahrscheinlich schon wieder einen netten Abend verpasst (aber so oft kommen die nicht, das habe ich lang genug ausprobiert). Heute jedenfalls ein schönes Nachtclub Extra gehört : "Rock'n'Roll auf der Schreibmaschine - Zum 25. Todestag von Lester Bangs. Ein Rückblick auf das wilde, tragische Leben von Amerikas größtem Rockjournalisten von Ronald Strehl".

Lester Bangs ist einer der Gestalten der Zeitgeschichte, die zu ihren Zeiten zwischen Erfolg und Chaos dahertrieben, gehaßt und geliebt wurden, genauso wie er kompromißlos haßte oder liebte und nichts dazwischen kannte. Er schlitterte zwischen Wahnsinn und Genie und wurde posthum zum Vorbild einer ganzen Generation Musikschreiber.

Bangs wuchs in den 50er Jahren in der spießigen Kleinstadt Escondido bei San Diego auf. Sein alkoholkranker und vorbestrafter Vater kam bei einem Hausbrand um, als der Junge neun Jahre alt war. Bei seiner Mutter fand er anscheinend wenig Trost - sie war ein strengläubiges Mitglied der Zeugen Jehovas, eine der wenigen Religionen, die Musik verabscheuen. Schon als Kind begann Bangs zu schreiben. Als Teenager begeisterte er sich zum Entsetzen seiner Mutter für die Beat-Literatur und B-Bop, aber auch Garage- und Surf-Musik.

Er schrieb seinen ersten Artikel Ende der 60er Jahre für den Rolling Stone. Sein Debüt war ein Verriss der MC 5, denen er ihr politisches Engagement nicht abnahm. Greil Marcus, damals Redakteur des Blattes, wurde zu einem wichtigen frühen Förderer. Beim Rolling Stone kam er aber nie groß raus, weil er immer im Clinch mit Jann Wenner lag. Der hatte schon ein halbes Jahr nach Gründung des Blattes um Finanzhilfe bei der Plattenfirma Columbia ersucht und in der Folge durfte im Blatt nicht mehr negativ über Columbia-Künstler - wie Bob Dylan - berichtet werden. Schließlich flog er wegen respektlosem Verhaltens gegenüber den Künstlern raus.

Dann landete er beim Rockmagazin Creem in Detroit, wo damals Künstler wie die Stooges und MC 5 für Furore sorgten. Hier wurde er für fünf Jahre festangestellter Redakteur, der diverse Titelstories schrieb. Er wurde zu einem der renommiertesten Vertreter des New Journalism in den 70er Jahren, schrieb aber auch Texte im Stil des Gonzo-Journalism (Stichwort Hunter S. Thompson). Creem hatte wohl nur ein Viertel der Auflage des Rolling Stone, aber einen hohen kulturellen Einfluß: Es regte angeblich diverse LeserInnen an, kreativ zu werden. So soll die Lektüre des Magazins unter anderem Patti Smith, David Thomas und Johnny Lydon inspiriert haben, selbst musikalisch aktiv zu werden.

Mitte der 70er Jahre ging Bangs nach New York, um mit einer Freundin zusammen zu ziehen. Hier schrieb als freier Autor für Village Voice (wo Robert Christgau für ihn zuständig war), NME und auch wieder den Rolling Stone. Seine Texte wurden auch für das deutsche Sounds und die Rowohlt-Reihe "Rock Sessions" übernommen. Um Geld zu verdienen - so wurde behauptet - schrieb er auch für Penthouse und Playboy. Er war Stammgast im legendären CBGBs, verfolgte die Entwicklung des US-amerikanischen New Wave und schrieb unter anderem eine Biografie über Blondie, die 1980 erschien. Die meisten seiner - ambitionierteren - Buchprojekte kamen nie zustande. Dafür tat er sich als mittelmäßiger Sänger und Musiker hervor.

Er soll bei seinen Leuten beliebt gewesen sein - mit Ausnahme der von ihm verehrten Musiker. Hier soll er sich als trinkfester Stammgast im Backstagebereich profiliert haben. Nie sollen sie ihn als ihresgleichen akzeptiert haben, sondern mit seinem Schnauzer und Bierbauch eher als idiotischen Bauerntölpel abgetan haben. Nun ja, die New-Yorker Musiker, insbesondere der von ihm über alle Maßen verehrte Lou Reed waren aber, so weit man hört, zu niemandem so richtig lieb.

Muß hart gewesen sein für einen Idealisten, der sich nach nichts anderem mehr sehnte als Liebe, wie sein Biograf Jim Derogatis beschrieb. Schon lange hätten Drogen und Alkohol sein Leben bestimmt. Eine Ex-Geliebte bezeichnete ihn als „Garbagehead“, einer der sich mit billigen Drogen zudröhnte. Er trank angeblich Wick-Naseninhalierer, was wie Speed wirkte und Hustensaft, der Spuren von Opiumstoffen enthielt. Von Alkohol gar nicht zu reden. Zum Schluss soll er arm gewesen sein (reich wahrscheinlich sowieso nie). Seine Wohnung soll zu seinem Tod ausgesehen haben wie die eines Teenagers, der gerade bei den Eltern ausgezogen ist. Gestorben ist er 1982, 33jährig, an einer Überdosis von irgendwelchen Zeugs, mit dem man sich normalerweise weder umbringt noch es nimmt, um sich einen Kick zu geben. Aber bei manchen Leuten weiß man nie.

Sein Ex-Kollege Greil Marcus hat im Nachhinein zwei Bände mit seinen Arbeiten herausgegeben und es gibt eine Biografie über ihn - die einzige, so weit ich weiß, über einen (mehr oder weniger ausschließlichen) Rockkritiker. Und ein anderer Ex-Kollege, Cameron Crowe, nahm ihn als Haupt-Nebenfigur in seinem Film "Almost Famous" auf. Einen Teil der Legende macht es sicher auch aus, dass solche Gestalten, die es schon ihrerzeit nicht leicht hatten, im heutigen Musikjournalismus schon in der Stufe nach dem Fanzine untergegangen wären. Andererseits kann man die Vorwürfe seiner Kritiker/innen, Bangs sei rassistische und chauvinistische gewesen, nicht ganz abtun - obwohl er sich mit diesen Themen auch bewußt beschäftigt hat. Diese Denkweise - unreflektiert - findet sich leider bis heute allgemein in großen Teilen des Musikjournalismus, die Rock zumindest implizit noch immer als Jungsmusik betrachtet.

Playlist von NDR-Info folgt, wenn ich sie gefunden hab. Gar nicht so einfach. Stand auch nicht bei "NDR-Nachtclub-Extra-Playlists", wie man vermuten könnte (die Seite gibt es, sie ist aber ratzekahl leer), sondern einfach bei NDR-Info-Nachtclub-Extra: voilà. Besten Dank an Angela Gobelin fürs Suchen helfen.

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Sonntag, Oktober 22, 2006

Besser spät als nie - der NDR entdeckt den Pop-Protest gegen Bush

Außerordentlich spät aber immerhin hat der NDR-Nachtclub jetzt den "Pop-Protest gegen Bush" entdeckt: Unter dem Motto "Living With Bush" hat Ralf Dorschel, der sich gemeinsam mit Angela Gobelin schon mit einer zweistündigen Sendung zum CSD verdient gemacht hatte - allerdings nachdem dieser nun endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen war - zumeist altbewährte Musiker/innen ausgemacht, die sich mehr oder weniger deutlich gegen Bush aussprechen.

Nachdem sich sogar schon die fundamentalistischen Christen von Bush nicht nur verarscht fühlen, weil er seine Wahlversprechen ihnen gegenüber nicht eingehälten hätte und die Republikaner sie nicht für voll nähmen, sondern ihre Sprecher dies auch noch öffentlich äußern, kann man sich ganz sicher sein, dass er wirklich weg vom Fenster ist und man selbst auf der ganz sicheren Seite, wenn man gegen ihn ist.

So stellt dann Dorschel auch richtigerweise fest, dass der Pop-Protest zwar immer irgendwo von Haus aus von links käme. Aber angesichts der politischen Wechselhaftigkeit solcher Leute wie Republikaner-Wähler Neil Young von Ohio über Let it Roll bis Living With War solle man doch eher vom "Aufstand der Patrioten" reden. Mghmh...In kurzen Moderationen sollte man doch lieber nicht solche Fässer wie Patriotismus und USA aufmachen, oder Joan Baez als 68erin bezeichnen, oder Country pauschal als staatstragend bezeichnen - aber kann auch sein, dass ich hier zu pissig bin, weil ich mich damit lange und intensiv beschäftigt habe.

Leider waren aber auch unter den Musikern dann zumeist alte Bekannte wie eben Young und Baez, Billy Bragg, Bruce Cockburn. An dem von mir sehr geschätzten Dan Bern, der immerhin nicht erst seit gestern explizite Musik gegen Bush macht, kam er bei dem Thema nicht vorbei und neu war mir der junge Singer-Songwriter Stephan Smith-Said, den nicht nur als Halb-Iraker einen besonderen Bezug zum Thema hat, sondern auch noch einen gepfefferten Brief an den Super-Patrioten Young geschrieben hat. Der ist auf jeden Fall sehr lesenswert und mir bisher entgangen, ebenso wie sein Artikel im "Progressive" (wenn auch schon einige Monate alt). Danke also für die Sendung, Herr Dorschel, auch wenn ich doch anmerken muss, dass sich so ein kleiner Sender wie Radio Flora schon häufiger, differenzierter und "zeitnaher" auf diesem Terrain getummelt hat. Und, auch nicht neu, aber immer mal einen Blick drauf Wert und ein Ohr dran: die von Thurston Moore initierte Seite protest-records.com.

Playlist unter: NDR Info.

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Freitag, August 04, 2006

Homosexuality is a part of society (Ain't Nobody Straight in L.A.)

Zum heutigen CSD in Hamburg brachte der NDR-Nachtclub eine Sondersendung mit schwulen und lesbischen Musiker/innen (Playlist). Fand ich 'ne schöne Sache, auch wenn das Ganze schon allein schon durch die ansonsten völlig unübliche Doppelmoderation (Angela Gobelin und Ralf Dorschel) ungewöhnlich klang, entweder als ob man Verstärkung braucht wegen des in weiteren Kreisen als man denkt noch immer nicht ganz unheiklen Themas, oder weil es beiden eben auch persönlich sehr am Herzen lag. Und dadurch, dass die Musiksendungen bei NDR-Info sozusagen am Dienstbotentisch eines Senders arbeiten, der sich über "seriöse" Wortinformation definiert, immer ein wenig steif.

Lernte, dass Morrissey in Rom mit einem Mann zusammen leben soll, dass die von mit verehrten Hidden Cameras ein neues Album draußen haben und ihr Kopf Joel Gibb jetzt in Berlin wohnt. Ich wußte auch nicht, dass Labi Siffre ein schwuler Schwarzer ist, und wenn man mit dem Hintergrund auf den Text achtet, ist das eigentlich unsägliche "Something inside so strong", was ich noch nie ausstehen konnte, gar nicht mehr so schrecklich.

Der große Rufus Wainwright kam zu Ohren, und der ebenso große Antony, Klassiker wie k.d. lang, Klaus Nomi und Janis Ian (die sogar mal vor Jahren in der Schwulen Sau in Hannover gespielt hat - musikalisch kann ich allerdings damit nicht so viel anfangen). "Ain't Nobody Straigt in LA" und "Nobody Loves a fairy...when she's forty" vom grad erschienenen "Queer-Noises"-Sampler vom grandiosen Trikont-Label. Dann noch ein paar Chanson-Melodien von Dorschel, die mir völlig am Allerwertesten vorbeigehen. Disco gabs, aber keine House oder Techno. Und richtig gefehlt haben mir persönlich die ganzen Riot-Grrrl-Sachen von Bikini Kill über Sleater Kinney bis Le Tigre, und auch neue Sachen aus der Ecke wie The Gossip und Tracy and the Plastics. Trotzdem oder grad deshalb auf jeden Fall fortzuführen diese Sendung, und Anregung für meine nächste (hier - etwas runterscrollen).

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